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Das Chin Dorf und die traurige Geschichte der “Tattoo Ladies”

Hallo liebe Urlaubsbarfreunde,

Die Tour begann mit einer holprigen Fahrt mit dem Tuk-Tuk, auf der wir Dante und Francesca aus der Nähe von Verona (Italien) kennenlernten. Sie war Marketing Managerin und er Schuhdesingner mit einem tollen eigenem Label Lenora. Wir verstanden uns super. Wieder tolle Wegbegleiter :). Vorbei an den typischen Holzhütten, Tempeln und verschiedene Felder, die immer noch mit Ochsenkarren bestellt werden. Am Lemy Fluss angekommen wechselten wir in ein Longtailboot. Auf der morgendlichen Fahrt war ich um mein Jäckchen wieder sehr dankbar. Scheinbar unberührte Landschaften, aus Bergen und Dschungel. Zwischendurch mal ein verstecktes, einsames Dörflein. Man sah wie Frauen mit Krügen zum Fluss liefen um Wasser zu holen, Männer die mit Netzen im Wasser fischten und Kinder beim Planschen.

Als unser Boot anlegte wurden wir von einem süßen Welpen, schwänzchenwedelnd empfangen. Das Dorf besteht aus einigen Holz/Bambushütten, welche auf Stelzen gebaut wurden, da es in der Regenzeit hier sehr matschig wird. Für so wenige Hüttchen springen hier sehr viele Kinder umher. Der Guide kommentierte es so: “after married, non stop”. So schleppten die etwa 4 jährigen Kinder die Babies durch die Gegend. Das nenne ich Mal früh Verantwortung übernehmen. Leider werden hier viele Kinder in der Regenzeit ernsthaft krank, denn Schweine, Ziegen, Hasen, und Hühner laufen frei durch das Dorf. Das Geschwisterchen kann natürlich nicht aufpassen, dass das Baby nichts vom matschigen Boden isst. Natürliche Auslese, hier kommen nur die starken durch. Ich hoffe sehr, dass sich die medizinische Versorgung für diese Dörfer bald verbessert.

Gut zu wissen: Die meisten Touren werden von Mrauk-U angeboten und kosten um die 80$ pro Tour (wir haben uns die 80$ zu viert geteilt). Dazu sollte man wissen, das die Dörfer kein Geld von den Guides oder Reiseveranstaltern abbekommen. Deshalb haben wir vor Ort ein bisschen Geld gespendet und ich habe mir noch einen gewebten Schal gekauft.

Meine erste Begegnung mit einer Tattoo Lady werde ich nie vergessen. Die alte Dame kam auf mich zu und reichte mir die Hand. Ihr Gesicht war komplett tätowiert, wie ein großes Spinnennetz. Sie besaß eine ganz besondere Aura, als hätte sie schon hunderte von Jahren auf der Welt erlebt. Dementsprechend ehrfürchtig und mit viel Bewunderung nahm ich ihren Händedruck an. Sie schaute mich an mit gläsrigen Augen und sagte: “you are beautiful, I am ugly now”. Das tat mir im Herzen weh und konnte ich erst nicht verstehen. Ich dachte diese Tattoos wären Teil einer Tradition für die sie sich selbst entschieden haben. Leider war das sehr naiv von mir zu denken.

In Wirklichkeit war es eine grausame Tradition die Mitte des 18. Jahrhunderts entstand. Durch Landeroberungen des burmischen Königs und Entführungen von Chin-Frauen nach Mandalay, beschlossen die Anführer der Chin den weiblichen Nachwuchs seiner Schönheit zu berauben. Im Alter von 7 Jahren wurden die Mädchen in Bambusmatten gerollt und im Gesicht tätowiert. Damals hat das tätowieren wesentlich länger gedauert, sodass die Prozedur mindestens einen ganzen Tag andauerte. Nahrungsaufnahme war danach Tagelang nicht möglich. Zum Glück wird dies seit einigen Generationen nicht mehr vollzogen und bald werden nur noch Bilder an diese schreckliche Tradition erinnern.

Wenn man geschichtlich zurück denkt, was Frauen aus Eifersucht der Männer und ihren Besitzansprüche durchmachen mussten oder teilweise noch müssen, bin ich sehr dankbar in der heutigen Zeit in Deutschland leben zu dürfen. Und das alles verpackt unter dem Deckmantel der Religion oder Tradition.

Die Frauen weben hier Schals und Taschen. Es war nur fair einen Schal zu kaufen, damit das Dorf auch ein bisschen Geld mit unserem Besuch machen konnte. Wir wurden sogar in ein Haus eingeladen bei dem wir zunächst eine wacklige Leiter hochklettern mussten. Christian hatte schon Angst das er gleich eine Etage tiefer bei den Schweinen sitz. Wir aßen zusammen Bananen und der Guide übersetzte für uns. Die alte Dame war so süß, ich beschloss ihr einen Glücksbringer zu schenken, den sie nötiger hatte als ich. Sie lachte über das Glücksschweinchen, weil es eine Hose anhatte. Jetzt hängt das Schweinchen über der Türe.

 

Auf der Bootsfahrt zurück war ich sehr nachdenklich, aber freute mich auch schon auf das nächste große Ziel unserer Reise. Das atemberaubende Bagan…

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Hallo, ich bin Marina und bin fasziniert von anderen Kulturen. Ich reise für mein Leben gern durch andere Länder. Aus dem Grund habe ich beschlossen mit meinem Freund 1 Jahr lang um die Welt zu backpacken und Euch davon zu berichten.

Comments

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    • Petra Carrasquillo
    • 10. Januar 2017
    Antworten

    Heyyy marinez,
    danke, danke, danke für eure tollen, interessanten, zum Nachdenken anregenden und lustigen Berichte.

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