Weltreise_Laos_Phonsavan019

In Phonsavan auf den Spuren des geheimen Krieges von Laos

Hallo ihr Lieben,

Für die Busreise nach Phonsavan hatten wir zwei Optionen. Entweder den normalen Bus oder Minivan. Wir dachten der Minivan ist etwas komfortabler und nahmen diesen. Leider war dies die schlimmste Fahrt der bisherigen Reise, denn erstens hatte man wenig Platz für die lange Fahrt und zudem ist der Fahrer viel zu schnell und wahnsinnig riskant gefahren. Ich habe gebetet das wir kein Kind oder Tier überfahren. In Gedanken verfluchte ich den Fahrer und überlegte was ich böses zu ihm sagen könnte, wenn ich laotisch sprechen könnte.

In Phonsavan stiegen wir aus und wurden direkt wieder belagert. “Where do you go?”- das Übliche. Wir versuchten nach dieser Horrorfahrt möglichst nett “nein danke” zu vermitteln und machten uns aus dem Staub. Durch Mitreisende im Bus, wurden wir auf das Kong Keo Guesthouse & Tours aufmerksam. Es sind etwas einfache Zimmer, aber die Atmosphäre ist sehr familiär, wenn man abends zusammen am Lagerfeuer sitzt.

 

Da wir Kong so sympathisch fanden und er schon am Lagerfeuer viel über sein Land und das Leben in Laos erzählt hat, buchten wir die Tour bei ihm. Da sich noch zwei weitere Gäste bei der Tour anschlossen, wurde es noch günstiger. Narit und Chris. Mit Narit reisten wir im Anschluss noch weiter nach Vang Vieng (dazu später mehr).

Wir starteten nach einem Kaffee mit Kongs Minivan zum ersten Ausflugspunkt einem Museum. Dort hat er uns die einzelnen ausgestellten Bomben erklärt. “Die Clusterbombe war die schlimmste von allen. Nachdem sie vom Flugzeug abgeworfen wurde, öffnete sie sich und heraus fielen an die 70 kleine Clusterbomben, die nur zur Hälfte bei Aufprall explodieren”.

Dann machte Kong eine kurze Pause vom erzählen. Er lehnt dabei an einer alten verrosteten Bombe und rauchte sich eine. Er nimmt einen tiefen Zug von seiner Zigarette und schaut nachdenklich zu Boden. Dann sagte er, “deshalb ist der Krieg für uns noch lange nicht vorbei”. Denn 80 Millionen Blindgänger sind noch heute in Laos, die täglich explodieren und ihre Opfer fordern.

Es waren gar nicht viele Reisegruppen unterwegs, aber als sie hörten wie Kong erzählte, stellten sie sich zu uns, um seinen Erzählungen zu lauschen. Ihr Fahrer hatte sich wohl eher aufs Fahren beschränkt. Im Museum konnte man, aus Bombenresten, gemachtes Besteck kaufen.

Kong riet uns, etwas abseits des Museumspersonals, dort nichts zu kaufen. Denn dies fördert nur die Arbeit der Metallhunter. Dies sind meist unausgebildete Leute, die auf Bombensuche gehen und keine Ahnung haben, wie man mit Blindgängern umgeht. Und das nur des Geldes wegen.

Phonsavan ist in den meisten Reiseführern im Zusammenhang mit dem Tal der Tonkrüge beschrieben. Dies war unser nächster Punkt auf unserer Tour. Die riesigen Tonkrüge stehen (ohne erkennbare Logik) verteilt auf einer Ebene von 25 Hektar. Es kreisen viele Legenden um diese Krüge, doch eins ist Fakt…es ist und bleibt ein ungelöstes Rätsel, warum sie dort sind und wie sie dort hingelangten. Denn sie sind an die zweitausend Jahre alt und sie sind aus keinem Stein der Umgebung gemacht worden. Was die Frage aufstellt, wie die Tonnen schweren Krüge, zur damaligen Zeit, an ihren Platz gekommen sind.

Auch die Ebene der Tonkrüge war Schauplatz des Krieges. Immer wieder fanden wir zwischendurch Bombenlöcher und Schützengräben. Die Landschaft war wie eine weite, ausgetrocknete Steppe durch die wir spazierten.

Kong erzählte uns dabei eine Geschichte aus seiner Kindheit. Er und zwei Freunde von ihm spielten auf den Wiesen hinter ihrem Dorf. Als sie plötzlich Bomben fanden. Und wie Jungs nun mal so sind, fanden sie das voll cool. Sie fingen an sie zu werfen und einige explodierten auch. Als sie sahen wie die Dorfbewohner panisch in ihre Häuser rannten und ihnen bewusst wurde, welch einen Schrecken sie ihrem Dorf gemacht hatten, liefen sie davon. Sie versteckten sich in einem Kloster. Erst am nächsten Tag beichteten sie den das Spielen mit den Bomben ihren Eltern. Die Kinder hatten großes Glück, denn die Meisten überleben das leichtsinnige Spielen mit den Bomben nicht.

Zu Mittag aßen wir in einem einheimischen Restaurant. Sehr interessant, denn mir wäre der Laden bestimmt nicht aufgefallen, geschweige denn, dass ich dort gegessen hätte. Wir aßen die traditionelle Pho Suppe. Eine kräftige Brühe mit Nudeln, Gemüse und wer will auch Fleisch. Mit Salat, Minze und verschiedenen Soßen kreiert man sich seine ganz eigene Pho Suppe. Wir bestellten unsere Suppe ohne Koriander ;-).

Längst haben die Laoten gelernt, sich die Bomben und das robuste Material zu nutzen zu machen. Sie bauen sich nun Futtertröge für ihr Vieh und ganze Häuser aus alten Bomben. Solch ein Bombendorf haben wir auch besucht. Erst hatte ich kein gutes Gefühl durch ein Dorf zu laufen, um zu sehen wie die Menschen dort leben. Ich denke mir immer, dass sich die Menschen wie in einem Zoo fühlen müssen. Doch dieses Gefühl hatte ich nicht als wir durch das Dorf gingen. Im Gegenteil, die Menschen waren froh, dass wir uns auch für ihr Leben interessieren und nicht nur wegen dem Highlight -den Tonkrügen- nach Phonsavan kommen. Sie fragten Kong sogar neugierig woher wir kommen.

Kong kannte die Dorfbewohner und auch die Kinder. Die meisten Kinder waren etwas schüchtern bis sie von Kong bunte Luftballons geschenkt bekamen und über glücklich mit ihrem einen Luftballon spielten.

Narit entdeckte ein blondes einheimisches Kind. Ein wunderschönes Mädchen. Da frage ich mich, wie manche Menschen etwas gegen Rassenmischung haben können, wenn doch so etwas schönes dabei entstehen kann.

Das Lachen dieser Kinder war so schön unschuldig, ansteckend und echt. Auffallend war auch – wie in Myanmar – der familäre Zusammenhalt. Jeder hilft jedem…und fleißig waren sie hier. Z.B. konnten wir zwei Schmiede bei der Arbeit beobachten, wie sie aus dem Material der Bomben unglaublich gutes Werkzeug herstellten. Erst hielten sie das Material in die Glut, dann hämmerten sie das Material in Form.

Zwei Mädchen bewegten eine altertümliche Konstruktion um Mehl zu mahlen. Ich habe dieses Teil mal in einem Museum versucht in Bewegung zu bekommen…hab ich kaum hingekommen. Ist echt Schwerstarbeit.

Auf dem Weg zum nächsten Tagespunkt erzählte Kong, dass wir nicht zu irgendeiner Höhle fahren. In dieser Höhle haben sich hunderte Menschen vom Krieg versteckt und lebten dafür in absoluter Dunkelheit. Die Amerikaner haben von dieser Höhle erfahren und haben mit Raketen auf die Höhle gezielt. Die vierte Rakete traf genau in die Höhle. Es gab keine Überlebenden. Einige Tage lang, war es in der Höhle noch so heiß, dass niemand sie betreten konnte. Grausam.

Mit einem bedrückten Gefühl kletterten wir den Berg zur Höhle hinauf. Mit Taschenlampe kletterten wir die extrem tiefe Höhle hinein. Es war richtig anstrengend sich auf den großen Felsbrocken einen Weg vorwärts zu arbeiten. Dazu noch die dünne Luft, hat mich innerlich kurz panisch werden lassen. Als wir schon ein gutes Stück in die Höhle geklettert waren, sagte Kong: Taschenlampe aus! Es war stockdunkel. Man konnte sich nicht vorstellen, wie hier so viele Menschen leben konnten. Denn ein Feuer um Licht zu haben, würde in weniger Zeit den Sauerstoff verbrauchen. Und Taschenlampen hatten die Menschen damals auch noch nicht wirklich. Kong erzählte, dass er einmal alleine hier in der Höhle war und seine Taschenlampe kaputt gegangen ist. Er hat drei Stunden gebraucht bis er aus der Höhle war. Seit dem hat er immer zwei Taschenlampen dabei. Es war wirklich unheimlich.Ich war froh als wir wieder an der frischen Luft waren und nahm erleichtert einen tiefen Zug.

Zum Abschluss dieses unvergesslichen Tages fuhren wir zu heißen Quellen um zu baden. Kong besorgte noch Bier für jeden der wollte und los ging der Spaziergang zu den Quellen. Als wir dort ankamen, waren dort noch Mönche am Baden und ein, zwei Einheimische. Narit und ich beschlossen aus Respekt noch etwas zu warten, bevor wir im Bikini baden gingen. Denn die einheimischen Frauen badeten mit Sarong und zeigen nicht so viel Haut. Als die Mönche gegangen waren, fasten Narit und ich Mut und stiegen in die heißen Quellen. Die waren echt richtig heiß und haben ganz schön nach Schwefel gerochen. Aber wenn man dann mal drin war, war es herrlich. Nach und nach kamen immer mehr neugierige Einheimische, die mit uns den “Käsbatschern” baden wollten. Und so viele süße Kinder die uns beobachteten und kicherten. So hübsche Kinder. Es war ein unglaublich schöner Moment voller Akzeptanz und Neugier für einander.

Auf dem Rückweg hielt Kong mitten im Nirgendwo an,  um uns die Sterne zu zeigen. Die Sicht war unglaublich toll. Als wir nach der 12 Stunden Tour zurück waren, gingen wir noch eine Kleinigkeit mit Narit und Chris (die Wegbegleiter auf der Tour) essen und fielen gegen 22h total müde ins Bett.

Am nächsten Tag nahmen wir den Bus nach Vang Vieng…

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Hallo, ich bin Marina und bin fasziniert von anderen Kulturen. Ich reise für mein Leben gern durch andere Länder. Aus dem Grund habe ich beschlossen mit meinem Freund 1 Jahr lang um die Welt zu backpacken und Euch davon zu berichten.

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