Weltreise_Kambodscha_Kratie016

Kratie und die Irrawaddy Delfine im Mekong

Hallo Ihr Lieben,

Leichtsinnig buchten wir die Weiterfahrt nach Kratie (ausgesprochen Kratjeai) in Siem Reap an irgendeinem Straßenstand. Schon bei der Abholung vom Hotel wurde uns klar, das dies ein großer Fehler war. Im Tuk Tuk saßen bereits zwei Reisende mit ihrem Gepäck. Und wir, plus unser Gepäck sollten da auch noch rein. Davon ausgehend, dass mich keiner versteht, fluchte ich richtig ausgelassen los, während wir uns in das Tuk Tuk mit unserem Gepäck einbauten. Nach einer Weile, sprach uns die Koreanerin an…auf Deutsch. “Mist, dann hat sie ja auch meine Flucherei verstanden.” Also ich hätte mich mit mir nicht mehr unterhalten 🙂

Sie hieß Mina und hatte mehrere Jahre in Deutschland gelebt. Wir lachten zusammen über die Situation und verstanden uns gleich sehr gut. An einem Hostel war der Sammelpunkt und da hieß es wieder warten. So konnten wir uns mit Mina weiter unterhalten. Mina war eine richtig taffe Frau, die sich entschieden hat alleine zu reisen, da ihr Mann die Leidenschaft zu Reisen nicht so sehr teilt wie sie. Nach Kambodscha plante sie noch ein paar Wochen Laos und den Norden Thailands zu bereisen. Für sie ging diese Fahrt noch bis hoch nach Vientiane.

Als alle beisammen waren wurden wir in die Minivans verteilt. Der Minivan an den wir verwiesen wurden sah komplett voll aus. Doch der Fahrer hatte ja extra für uns 1,80-1,90m großen Persönchen ein Ass im Ärmel. Er wunk uns zum Kofferraum. Hier hatte er nachtraglich noch eine Sitzreihe auf dem Gepäck eingebaut die nur durch den Kofferraum bestiegen werden konnte. Eingepfercht, mit den Knien an der Brust, stießen wir uns bei jeder Unebenheit auf der Straße den Kopf am Dach. Drei bis vier Stunden lang. Wieder eine Erfahrung…

Bei der ersten Pipipause kaufte sich Mina gekochte Eier. Als sie ein Ei öffnete erschrack sie. In dem Ei war schon ein Embrio. Mit der Vermutung, dass dies ein Versehen war, öffnete sie das zweite Ei. Doch dort war auch schon ein Embrio drin. So lernten wir eine der landestypischen Späzialitäten namens “Balut” kennen, welche die Potenz steigern soll. Zurück in den Kofferraum…die Fahrt geht weiter. In Stung Treng hieß es wieder alle raus und in 20 Minuten würde es weiter gehen. Echtzeit: 2 Stunden!!!

Doch mit Mina an einem Tisch wurde die Wartezeit sehr angenehm. Sie holte ihr gekauftes Obst und ihr deutsches Obstmesser heraus und machte uns mit einer Drachenfrucht und einer Papaya pappsatt. Während wir uns unterhielten erzählte sie uns auch von ihren Bedenken hinsichtlich der politischen Lage in Korea. Wir hörten gespannt zu, denn es ist eine Sache, es über die Nachrichten zu hören, aber fiel interessanter ist es von Menschen zu hören, die es tatsächlich betrifft und ihre Eindrücke und Einschätzungen zu hören.

Als es weiter ging, mussten wir uns leider schon von Mina verabschieden, da sie einem anderen Minivan zugewiesen wurde. Nach weiteren 4 Stunden Fahrt kamen wir in Kratie an und nahmen direkt das Hotel, welches uns vom Fahrer empfohlen wurde, weil es direkt am Mekong war und nur 7$ pro Nacht im Doppelzimmer gekostet hatte. Wir hielten uns nicht lange im Zimmer auf und machten uns gleich auf die Suche nach Futter. Direkt um die Ecke wurden wir fündig. Le Tonle ist ein Restaurant und Guesthouse, welches zu einem Projekt gehört, das benachteiligte Jugendliche ausbildet und auf einen Job im Tourismus vorbereitet. Als wir in schöner Atmosphäre auf unser Essen warteten, fing es plötzlich an zu tröpfeln. “Moment, es regnet gar nicht und außerdem sitzen wir unter einem Dach.” Eine Katze auf dem Dach hatte wohl ziemlich Druck auf der Blase. Mmmhhh, lecker! Golden Shower…wir beschlossen den Tisch zu wechseln 🙂 Das Essen war sehr gut und wir wurden sehr freundlich bedient. Und ganz ehrlich, solche Projekte unterstützt man doch gerne.

Kratie ist ein sehr ruhiges Örtchen, an den sich nicht so viele Touristen hin verirren. Aber gerade deshalb mochten wir Kratie. Der perfekte Ort, um nach dem Trubel in Siem Riep zu entschleunigen. Den ersten Tag verbrachten wir fast komplett in einem netten Cafe unter dem Ventilator um mal wieder ein bisschen Tagebuch zu schreiben oder Bilder auszusortieren. Zwischendurch haben wir noch unsere Wäsche zum Waschen abgegeben. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir einen Schneider. Er befand sich in einer einfachen Garage. Mit Händen und Füßen fragten wir den netten jungen Mann ob er uns unsere Flaggen auf den Rucksack nähen könnte. Fröhlich nickte er und legte sofort los. Nach kurzer Zeit war er fertig. Hätte ich wieder mit der Hand die restlichen Flaggen annähen müssen, wäre ich Stunden beschäftigt gewesen, mal davon abgesehen, dass es echt mühselig ist die Nadel durch das dicke Material des Rucksacks und die Flagge zu stechen. Der junge Mann freute sich mit uns, als er sah wie sehr wir uns über sein Werk freuten. Er wollte 1$ für beide Rucksäcke haben. Ich gab ihm 2$, denn das konnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.

Da man in Kratie die seltenen Irrawadie Flussdelfine sehen kann, erkundigten wir uns über Touren und deren Preise. Wir buchten die Tour über unsere Unterkunft für den nächsten Tag ganz früh Morgens. Mit dem Tuk-Tuk fuhren wir außerhalb von Kratie, durch winzige Dörfchen aus Stelzenhäusern. Außerhalb des Touristentrubels, ist es immernoch am schönsten. Die Menschen führen ein bescheidenes, familiäres und glückliches Leben. Welches mich immer wieder aufs neue berührt. Die meisten halten ihre eigenen Hühner, Schweine und Kühe. Vorallem die Kühe sehen hier in Kambodscha besonders toll aus, mit ihren großen Hörnern und ihrer schönen Zeichnung im Gesicht. Anders als in Vietnam sind in Kambodscha die Kühe nicht schwarz sondern weiß. Das fiel mir besonders auf als wir über die Grenze von Vietnam nach Kambodscha gereist sind. Verrückt, als gäbe es eine unsichtbare Mauer und jede Kuh weiß wo sie hingehört.

Nach einer halben Stunde Fahrt kamen wir an. Wir wechselten vom TUK TUK in ein Boot. Die Landschaft dort am Mekong ist sehr schön. Das Gebiet in dem die Irrawaddy Delfine heimisch sind ist zum Naturschutzgebiet erklärt, um den Fortbestand der seltenen Delfine zu sichern. Allerdings frage ich mich dann warum es erlaubt ist mit extrem lauten Knatterbooten hinter ihnen her zu fahren. Ich stelle mir das für die Tiere sehr stressig vor. Das realisiert man aber auch erst zu spät wenn man eben genau in so einem Knatterboot sitzt um Delfine zu sehen. Es dauerte auch nicht lange da sichteten wir die ersten Delfine. Im Gegensatz zu Salzwasserdelfinen haben die Süßwasserdelfine eine kürzere Schnauze und einen dickeren Kopf. Durch das diesige Wasser des Mekongs sind sie sehr schwer zu sehen, nur wenn sie kurz auftauchen zum Luft holen. Dennoch fasziniert es mich immer wieder Delfine zu sehen. Wir waren natürlich morgens die ersten. Erst gegen Ende unserer Safari kamen andere Boote. In dem einen Boot waren Chinesen die bei jedem Delfin der auftauchte laut schrien. Gut das kann einem vor Begeisterung das erste Mal schon passieren, aber nicht bei jedem mal wenn ein Delfin nach atem ringt. Naja zum Glück war es erst zum Ende der Tour. Nach der Tour saßen wir noch etwas erhöht am Flussufer und aßen eine Litschiartige Frucht und teilten sie mit den Kindern die dort spielten. Abends gingen wir im Red Sun Falling essen und planten unseren nächsten Tag. -Was mir dabei noch einfällt, bitte nicht im Balcony Restaurant und Guesthouse essen, es ist schrecklich.-

Am nächsten Tag wollten wir mit der Fähre auf die kleine Insel … für eine Radtour. Beim Steg angekommen überlegten wir wo man wohl das Ticket kauft oder wie das ganze überhaupt funktioniert. Da sahen wir ein sympatisch aussehendes Pärchen die ihr Fahrrad Richtung Fähre schoben. Christian quatsche die Beiden direkt mal an, und wollte wissen “do you know how it works”. Leider hatten sie auch keine Ahnung und wir liefen einfach mal zur Fähre hinunter. -Ja hinunter, denn das Flussufer ist ziemlich steil. Deshalb würde ich auch raten die Fahrräder erst auf der Insel zu mieten, was preislich aufs selbe rauskommt als wenn man es mit auf die Fähre schleppt.-

Tatsächlich bezahlt man direkt auf der alten Fähre sein Ticket (1000) bei einer  korbolenten Dame die zum Zeitvertreib Bilder stickte. Am anderen Flussufer angekommen, lag ein langer Fußmarsch über das breite sandige Flussufer vor uns (natürlich wie immer in der Mittagszeit). -also eincremen nicht vergessen, plus Wasser!- Oben angekommen liefen wir direkt auf den Fahrradverleih zu. 1$ für ein Klapperfahrrad und 2$ für ein etwas stabileres Fahrrad. Da die Insel eben ist sparten wir das Geld und schwungen uns auf die Klapperfahrräder. Hier kamen wir nochmal mit dem netten Pärchen ins Gespräch. Scheinbar stimmte die Chemie und deshalb beschlossen wir uns auf halber Strecke im “Cafe” zu treffen.

Die Insel ist noch sehr ursprünglich und authentisch. Das Leben, abgeschirmt von der Außenwelt wirkt so friedlich. Es ist wundervoll die grüne, farbenfrohe Landschaft mit leichtem Fahrtwind zu genießen.

Am verabredeten Treffpunkt angekommen, freuten wir uns tierisch auf ein kühles Getränk. Flo und Marie empfahlen uns den Oschi Eistee, der uns eine Zeitlang richtig abhängig machte. Aber die Beiden hatten uns ja gewarnt. Kurz darauf gesellte sich noch ein schweizer Pärchen dazu. Es war eine sehr außergewöhnliche Runde die sich auf dieser abgeschiedenen Insel zufällig traf. Denn im laufe des Gesprächs stellten wir fest das wir alle einen eigenen Blog schreiben, für eine längere Zeit auf Reisen sind und unsere Jobs gekündigt haben. Natürlich haben wir schon viele Langzeitreisende kennengelernt, aber die meisten waren jünger und haben es nach dem Abi gemacht. Schön sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Mit Marie und Flo verabredeten wir uns direkt für abends zum Abendessen im Takeo. Wir hatten einen richtig schönen Abend und waren dann echt ein bisschen traurig das sich am nächsten Tag unsere Wege schon wieder trennen sollten. Marie und Flo reisten weiter in den Norden Richtung Laos und wir reisten in den Süden Kambodschas…dort wo der Pfeffer wächst…

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Hallo, ich bin Marina und bin fasziniert von anderen Kulturen. Ich reise für mein Leben gern durch andere Länder. Aus dem Grund habe ich beschlossen mit meinem Freund 1 Jahr lang um die Welt zu backpacken und Euch davon zu berichten.

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  1. Pingback: Queenstown | Urlaubsbar

  2. Antworten

    Hey Danke fuеr die schoеne Zeit hier. Macht weiter bіtte so.
    Da komme ich gerne wieder.

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